Abenteurer

Entdeckungsfahrten waren seit den Anfängen aller Fahrten auf Wasser massgebend für die Entwicklung neuer Schiffstypen, neuer Navigationstechniken und zur kontinuierlichen Erschliessung neuer Landstriche und neuer Kontinente.


Der Antrieb zu abenteuerlichen Entdeckungsfahrten der Phöniker geht wohl auf Salomon zurück, der ihre handwerkliche Kunst sowie ihre Fertigkeit der Herstellung von Schiffen über alle Massen schätzte. Er wandte sich an Hiram, Herrscher des phönizischen Stadtstaates Tyros. Hiram, ein gewiefter Herrscher und ebenso gewinnsüchtiger Händler erkannte in Salomon einen betuchten Handelspartner den es galt, bei Laune zu halten.
Salomon, der noch ehrgeiziger Pläne hegte als sein Vater David, wollte einen Palasttempel bauen, der alle bisher von den Kindern Israels erbauten Tempel und Paläste in den Schatten stellen sollte. Dafür brauchte er Gold, viel Gold um seinen Traum verwirklichen zu können. Zu diesem Zweck hegte er den Plan, seinen Handel über das Rote Meer und den Indischen Ozean nach Süden hin auszuweiten, bis hin nach Ophir, dem legendären Land des Goldes.Hiram bekam den Auftrag. Er sandte ein Team von Schiffsbaumeistern, Segelmachern und Takler nach Ezion Geber und liess dort für Salomon eine Flotte erbauen. Für Salomon, aber auch für Hiram war dieses Unternehmen ertragreich, denn wie überliefert ist, bekam Hiram seinen Lohn in Prozenten. Insgesamt 420 Talente Gold wurden aus Ophir herangeschafft, umgerechnet auf heute ein Wert von zirka 60 Millionen Euro.
Man geht davon aus, dass die Zinnvorkommen in Iberia (Spanien und Portugal) die handelstüchtigen Phöniker anlockten und sie dazu verleiteten auch noch weiter, über die Säulen des Herakles hinaus und nordwärts entlang der Küste Galliens bis zu den britischen Inseln zu skippern um dort Zinn, Kupfer und Gold einzuhandeln.
Spätestens um 1000 v.u.Z. waren die Phoeniker so seesicher, daß sie sich fast überall hin zu segeln getrauten. Spekulationen gemäß sollen es einige von ihnen sogar über den Atlantik bis nach der Welt jenseits des Wassers geschafft haben.
Als Erfinder des Kolonialismus über den Seeweg gründeten sie an strategisch wichtigen Punkten jeweils kleine Handelsniederlassungen, die nicht selten, wie beispielsweise Kathago oder Motye zu bedeutenden Städten und Umschlagplätzen wuchsen, von denen noch heute einige bestehen.
Wenn sie denn nicht wirklich nach Uebersee, also nach dem heutigen amerikanischen Kontinent gesegelt sind, so ist ihnen offenbar doch ein anderer großer, seemännischer Coup gelungen.
Lybien, das war das immense Land hinter der südlichen Küste des Mittelmeeres und entlang der Grenbze zu Aegypten, Wohl wußte man um die Wüsten und die verstreuten Oasen, wohl kannte man die Karawannenstraßen und einige Stämme dort lebender Hirten und Nomaden, aber was sich hinter den Wüsten befand, konnte man nur erahnen. Man kannte das Elfenbein und die schwarzen Sklaven, die über die Karawannenstrassen zu den Städten entlang der Küste gelangten, aber von der Form dieses Landes und von seiner Grösse hattte man nicht die geringste Vorstellung.
Der ägyptische Pharao Necho, der die Tüchtigkeit und den Wagemut der Phöniker als Seeleute sehr wohl kannte, trat um 600 v.u.Z. an sie heran um eine Erkundungsfahrt zu unternehmen. Er ging wohl davon aus, daß Lybien eine Insel sei, denn sein Auftrag lautete, vom Roten Meer aus fortzusegeln, das Land zu umrunden und über die Säulen des Herakles wieder zurück zu kommen. In heutigen Begriffen: die phönizischen Seeleute sollten Afrika umsegeln.

Wie es scheint, ist ihnen dieses außergewöhnliche Abenteuer gelungen. Sie brauchten dazu gemäß Herodot drei Jahre, wobei man vorausschicken darf, daß dieses Abenteuer der Phöniker nicht einer der Bären ist, die sich Herodot von den Aegyptern aufbinden liess. Gemäss Herodot gingen sie dort, wo sie gerade waren an Land, befestigten ihre Schiffe und überwinterten, bzw. machten Rast, zogen Weizen hoch, rodeten Land und - entsprechend ihrer Tradition - richteten eine provisorische Handelsstation ein. Aus Herodots Berichten geht jedoch nicht hervor, was sie erlebten, was sie sahen, wen sie trafen. Als Beweis der Wahrhaftigkeit der Umseglung Afrikas gilt die beharrliche Aussage der Seeleute in ihrer Berichterstattung an Necho. Dort heisst es, sie hätten Lybien umsegelt und als sie am Südende angekommen seien und Kurs nach Westen machten, hätte die Sonne rechts von ihnen gestanden. Herodot, einer der wenigen anregenden, aber nicht minder skeptischen Geschichtsschreiber jener Zeiten berichtet dies gewissenhaft, in Unkenntnis der Bahnen des Tagessternes und mit dem Vermerk, daß er diese Behauptung nicht glaube.
Daß damit jedoch der einzig denkbare Beweis einer Afrikaumrundung erbracht war, sollte sich erst dann herausstellen, als die Bahnenberechnung der Himmelskörper viel später publik wurde. Die Phoeniker hatten somit am südlichen Kap die Sonne im Norden gesehen, aus ihrer Sicht zu ihrer Rechten.


Zirka 200 Jahre später unternahm ein Karthager namens Hanno ein ähnliches Abenteuer. Er wollte eigentlich nicht Afrika umsegeln, sondern lediglich die Konsolidierung des Afrikahandels kontrollieren, evtl. vorantgreiben und Bericht erstatten. Aus seinem gut erhaltenen und minutiös geführten Schiffstagebuch sind Landmarken zu erkennen, Orte zu bestimmen, Siedlungen und Handelsniederlassungen zu identifizieren. Hanno verliess das Mittelmeer über sie Säulen des Herakles und segelte entlang der Küste Afrikas südwärts. Den von ihm beschriebenen riesigen Fluß identifizierten die Forscher als den Senegal. Danach wurden seine Notizen konfuser und es war nicht mehr festzustellen, ob er bis Sierra Leone kam, bzw. noch weitere 2500 Km südlich bis nach Kameroun. Jedenfalls sah er sich gezwungen umzukehren, da die Proviantreserven auf ein absolutes Minimum geschrumpft waren.

Er berichtete von Elefantenherden, Krokodilen und Flußpferden, die er in jener riesigen Flußmündung gesehen habe. Bei einem Landgang sei er von in Fellen gekleideten Wilden angegriffen worden oder an einer anderen Stelle von Wilden, die am ganzen Körper behaart waren.

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