Glaube und Druidentum

Daß über die keltische Religion nur recht wenig bekannt ist, dafür aber umso mehr spekuliert wird, liegt daran, daß über die religiöse Einstellung und das sakrale Leben so gut wie keine schriftlichen Zeugnisse gibt. Dieses Fehlen an Dokumentation wird allgemein damit erklärt, daß die Kelten eine Abneigung, bzw. eine eherne Regel gehabt hätten , die Schrift als wahrendes Mittel und als Weiterreichung der Traditionen nicht zu nutzen. Dasselbe gilt für die Überlieferung des Druidentums, welches bei den Kelten einen hohen Stellenwert einnahm und dessen Lehren ausschließlich mündlich an die Adepten und Novizen weitergegeben wurden. Diese Theorie fußt hauptsächlich auf den Berichten Caesars und einiger gleichklingender griechischer Texte. Leider gibt es dazu keine Vergleichszeugnisse, so daß Caesars "Gallische Kriege" als philologisches Basismaterial praktisch unangefochten gelten.
Caesar (VI 16) bescheinigte den Kelten eine tiefe Religiosität. Der Begriff "keltische Religion" ist aber in Bezug auf das Keltentum eigentlich nur eine Sammelbezeichnung für die Gesamtheit des Sakralen (Mythen, Riten und Kulte) und gilt ausschließlich für die Periode vor der Christianisierung.
Die philologischen Zeugnisse ergeben das Bild einer polytheistischen Anschauung, die leider nur in römischer und teilweise auch in griechischer Interpretation überliefert ist und später von kirchlicher Seite, aus machtpolitischen Gründen verballhornt, grob verfälscht, (möglicherweise zu großen Teilen vernichtet) nichtsdestoweniger aber teilweise in angepaßter Form übernommen wurde.

Viele keltische Götternamen blieben unbekannt, andere wurden mit römischen Göttern und deren Rängen, Eigenschaften und Entsprechungen verbunden und römisch oder griechisch interpretiert.
Die Römer glichen die keltischen Götter und Kulte nach der üblichen Interpretatio Romana den eigenen an. Das heißt, daß die keltischen Göttern, je nach ihrer „Zuständigkeit„ römischen Interpretationen und Götternamen gleichgeordnet wurden. Teutates (u.a.) wurde z. B. Merkur, Cernunnos Pluto, Grannus dem Apollo und Lenus dem Mars gleich geordnet, usw. Dies ging soweit, daß griechische Literaten und auch römische beim Verfassen von Epen und Mythen anderer Kulturen, die Götterscharen schon traditionell durch ihre eigenen ersetzten (siehe Plutarch > Bran). Durch die unterschiedlichen religiösen Vorstellungen konnten diese Interpretationen zuweilen von den römischen „Patengöttern„ abweichen, wodurch dieselben römischen Götter in unterschiedlichen Regionen mit verschiedenen keltischen Beinamen erscheinen.
Die keltische Mythologie - in der Naturwesen und Naturrecht, Götter und Menschen eng miteinander verbunden waren - war der Leitung und Interpretation der Druiden vorbehalten. Das Sakrale wirkte bis in den Alltag des gesellschaftlichen Lebens hinein und manifestierte sich unter anderem in einem Jahreskreis von sonnen- und mondbezogenen Festen – dem keltischen Jahreskreis. Die Essenz des religiösen, natürlichen und gesellschaftlichen Weltbildes war durch verschiedene Symbole mit dem kriegerischen, dem rituellen und dem alltäglichen Leben der Menschen verbunden.
Ein Hauptbestandteil des keltischen Glaubens scheint die Seelenwanderung gewesen zu sein, ergo der Übergang der Seele des Verstorbenen von seinem Körper auf einen anderen. Verschiedentlich heißt es recht lakonisch, daß dieser Glaube die Angst vor dem Tod minderte und im Krieg Tapferkeit und Opferbereitschaft steigerte.
Geoffrey Ashe meint hierzu:
„(...) ist die Reinkarnation als Doktrin der Hauptströmung des Druidentums eine eher zweifelhafte Sache. Einige wenige irische Anspielungen beziehen sich auf Gottheiten und andere außergewöhnliche Wesen, die ein irdisches Leben lebten . Beim Menschengeschlecht allgemein scheint die Wahrheit so ausgesehen zu haben, daß es bei den Druiden eine emphatische Lehre bezüglich der Unsterblichkeit gab, die die Aufmerksamkeit der klassischen Autoren auf sich zog, weil sie mit etwas ähnlichem nicht vertraut waren, die sie aber aus eben diesem Grunde mißverstanden„.
Gemäß der philosophischen Position der pythagoräischen Schule, die ein Weiterleben nach dem Tod durch Reinkarnation nicht ausschloß, könnten die Autoren zu dem Schluß gekommen sein, daß es das gewesen sein müßte, was die Druiden gemeint hatten. Wahrscheinlicher ist schon, daß mit dem „Leben nach dem Tod„ das Leben in der Anderswelt gemeint war. (siehe auch: Die Anderswelt)

Das Druidentum

Die zentralen Figuren in der keltischen Religion und Mythologie waren die Druiden, die von u.a. Cäsar als keltischer Priesterstand bezeichnet wurden. Die Druiden waren für die Beobachter eine Eigenheit der Kelten, da sonst weder die Römer, die Griechen noch die Germanen hauptamtliche Priester kannten.
Zwischen den Druiden der antiken Kelten (etwa bis zum Ende unabhängiger keltischer Kulturen, am Anfang des Mittelalters) und den Druiden der Neuzeit (ab der Christianisierung u.a. durch den hl. Patrick ) muß unbedingt unterschieden werden.
Die „antiken„ Druiden hatten keinerlei schriftliche Aufzeichnungen hinterlassen. Das wenige was wir von ihnen wissen, stammt aus den Schilderungen der Neuzeitdruiden, sowie u.a aus den Aufzeichnungen Cäsars, einigen griechischen Texten und etlichen aussagemäßig recht kargen, in der Oghamschrift hinterlassenen Texten.

Es heißt, daß der Ursprung dieser mächtigen religiösen Kaste in Britannien und Irland gewesen sei und eine "europäisch-nordische" Form von Schamanismus darstelle. Inzwischen scheint jedoch sicher, daß während einer gewissen Epoche vor der Jahrtausendwende durch Wanderungen aus dem Nordosten Asiens (Skythen, Sarmaten, Kimmerer, Dorier usw) neue und belebende schaministische Enflüße das Druidentum bereicherten. Allenthalben heißt es sogar, daß durch diesen Einfluß das keltische Druidentum zu einer "veredelten Variante" des fernöstlichen Schamanismus wurde.

Es gibt aber auch Theorien, daß das Druidentum erst durch Einwanderungen oder Invasionen u.a. nach den britannischen Inseln kam und sich dort - den natürlichen und völkischen Gegebenheiten angepaßt - zu einem eigenständigen "nordischen Schamanismus" entwickelte. Dieser "Import" müßte sich dann schon sehr früh, etwa ab dem letzten Drittel des Mesolythikums abgespielt haben. Es wird angenommen, daß er über den Seeweg aus dem östlichen Mittelmeer und später nocheinmal über die Nordländer erfolgt sei. Man geht in Forscherkreisen davon ausgeht, daß das Druidentum sich anschließend von den britannischen Inseln über Gallien hinaus sogar nach dem Germanenland ausgebreitet habe.
Neben dem Druidentum gibt es zudem noch andere Kulturdetails, die darauf hinweisen, daß das Keltentum zumindest aus östlichen Regionen beeinflußt wurde. (Siehe auch: Menschenkopfkult)

Beim Druidentum handelte es sich sozusagen um eine Art geistiger Elite mit weitreichender Macht und ebenso vielfältigen Funktionen und Ämtern. Neben ihren Priesterfunktionen (ein Begriff, der von Cäsar geprägt wurde, aber sinngemäß nicht ganz zutrifft) hatten die Druiden noch andere Pflichten und Privilegien. Sie waren Magier, Seher, Richter, Ärzte, Philosophen, Dichter, Architekten und besaßen in allen weltlichen und sakralen Angelegenheiten ein maßgebliches Vetorecht.
Sie waren mit allen Künsten des Gottes (oder der Göttin) der Druiden vertraut, also denen des Ur-Druiden. Dieser Ur-Druide stellt die eine, vielfältige und unnennbare Gottheit dar, die gleichsam am Anfang stand und trotzdem noch im Werden ist - nach keltischer Sicht eine evolutive Schöpfung, die ununterbrochen dauert. Dies impliziert ergo, daß dieser vielfältige und werdende Gott erst erschaffen werden muß(te) und deshalb unnennbar ist, weil er nicht in einen Namen, ein Schema und/oder in ein Eingottbild gepreßt werden kann.
Die Druiden standen aufgrund ihrer Kommunikation mit ihren Göttern (Grundprinzip des Schamanismus) entsprechend hoch im Ansehen. Sie waren Königsberater und hatten somit auch die Kontrolle über (und einen fast absoluten Einfluß auf) die Stammes- und Clanführer. Es heißt, daß im Beisein eines Druiden nicht einmal der König (Clanchef) als erster das Wort ergreifen durfte. Sie hatten in allen Streitfragen, öffentlichen wie privaten, zu entscheiden, seien es nun Erbstreitigkeiten, Grenzkonflikte, Eigentumsvergehen oder Gewalttaten. Die Druiden legten auch die Strafen fest.


Laut Caesar (VII 33,3) war die Exkommunikation (d. h. der Ausschluss von den Opferbräuchen) die schwerste der denkbaren Strafen. „Die Druiden waren für ihre Gerechtigkeit bekannt„, rühmte Strabo (IV, 4,4).
Raimund Karl:
„Alle diese Berufe, die vermutlich generell zur geistigen Elite des Stammes zu rechnen sind, waren hoch angesehen. Zumindest die Druiden, aber möglicherweise auch Barden und Vates waren vom Kriegsdienst freigestellt und steuerbefreit und wurden mit höchster Hochachtung betrachtet. Von den Druiden wird berichtet, daß sie zwischen kampfbereite Armeen schreiten und diese dazu bewegen konnten, wieder nach Hause abzuziehen, ohne anderen Druck auszuüben als ihre sakrale Autorität. Caesar berichtet uns auch, daß die schwerste Strafe in Gallien der Ausschluß von den religiösen Handlungen wäre, eine Strafe, die vermutlich auch nur von den Druiden verhängt werden konnte.„
Bei Caesar heißt es u.a.:
„Den Druiden obliegen die Angelegenheiten des Kultus, sie richten die öffentlichen und privaten Opfer aus und interpretieren die religiösen Vorschriften. Eine große Zahl von jungen Männern sammelt sich bei ihnen zum Unterricht, und sie stehen bei den Galliern in großen Ehren.„ (De bello gallico, VI, 13)
Raimund Karl:
„Diese (die Druiden A.d.A.) waren neben ihrer Funktion als Zeremonienmeister und Priester bei den religiösen Riten aber auch noch Richter, Berater in politischen Angelegenheiten und Mediziner. Sie waren vermutlich in einer Art „Orden„ organisiert, zumindest die Druiden Galliens wählten jeweils ein Oberhaupt bei einem jährlichen Treffen im Gebiet des Stammes der Carnuten, das als Mittelpunkt Galliens angesehen wurde (sakrales Zentrum). Die Herkunft des Druidentums liegt, laut dem Bericht Caesars, jedoch nicht in Gallien, sondern in Brittanien, und nach dort mußte man gehen, um diese Kunst in ihrer höchsten Reinheit zu erlernen. Ob dies einen ähnlichen Mythos darstellt wie die Ausbildung im fremden Land (zumeist Alba, Schottland) in den irischen Sagen, oder ob es sich hier um eine historische Tatsache handelt, läßt sich leider heute nicht mehr feststellen. Die britischen Druiden jedenfalls hatten, zumindest nach der Eroberung Galliens durch die Römer, aber vermutlich auch schon davor, ein eigenes „Kultzentrum„ auf der Insel Anglesey vor der walisischen Küste.„

Die Druiden bildeten keine separate Priesterkaste, sondern stellten die Kaste als solche dar und waren im eigentlichen Sinn nicht einmal Priester, also keine „sacerdotes„, wie Cäsar sie nannte. Auch hatten sie Frauen und Kinder und das Druidenamt war nicht ausschließlich auf Männer beschränkt. Dieser Kaste gehörten Männer und Frauen an, offenbar aber - laut Tacitus - nicht mit gleichem Status.
Sie Sagen berichten von Druidinnen. So zum Beispiel Dubh, oder Mebd von Connacht oder Ceridwen. Ceridwen wird beispielsweise als Druidin bezeichnet, die in einem Prototyp des heiligen Grals einen Trank herstellte, der unbegrenzte Weisheit über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft verlieh. (siehe auch: Taliesin)

Aemter und Funktionen

Man kann den Druiden grob drei verschiedene Funktionen zuteilen, wobei die Funktionen auch übergreifend wirkten:
1. die „Druids„, oder Druiden, welche die Kriegskunst lehrten und die Magie beherrschten
2. die „Bairds„ oder Barden, welche für die Wahrung der mündlichen Überlieferungen verantwortlich waren
3. die „Filidhs„ oder Seher, die in die Zukunft blicken konnten, was manchmal auch den Barden nachgesagt wird.
In den Sagen besitzen sie die Fähigkeiten der Prophezeiung, der Weisheit und des Heilens. Da sie sich auf ihren geistigen Reisen in andere Welten begaben, sah man sie als Vermittler zwischen den natürlichen und übernatürlichen Mächten, zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten, zwischen der sichtbaren Welt und der unsichtbaren Anderswelt.
Sie erstellten Kalender, beobachteten die Gestirne und befaßten sich mit Genealogie. Alles was auch nur irgendwie mit der tiefen Religiosität der Kelten zu tun hatte, lief durch die Hände der Druiden. Da die Religiosität nicht von der keltischen Kultur als solcher zu trennen ist, reichte die Macht der Druiden offenbar bis in die Stammes- und Völkerpolitik hinein.
Jean Markale:
„Ohne die Druiden hätte es keine keltische Gesellschaft gegeben, aber umgekehrt hätte es auch ohne keltische Gesellschaftsstrukturen keine Druiden geben können„.
Manche gehen davon aus, daß jeder Stamm, zumindest aber jedes Volk einem oder mehrere Druiden und/oder Druidinnen in ihrer Führung hatten.
Die berühmtesten unter ihnen waren Barden und Druiden wie Amairgen, Aneirin, Cathbad und der sagenumwobene Taliesin. Der legendäre Merlin wird eher als literarisches Produkt Geoffrey of Monmouths angesehen und vereint in seiner (fiktiven) Person möglicherweise mehrere ehedem aktive Druiden und gilt als bare Legende, wie der von ihm geleitete Artus (siehe auch: Merlin). Aber auch die Göttin Brigit galt in ihrer vermenschlichten Gestalt als erfahren in den Künsten der Prophezeiung, der Lyrik und der Magie.
Die meisten von ihnen nutzen ihre Kräfte, um den normalen Sterblichen zu helfen. Aber manche dieser prophetischen Seher benutzten ihr schamanisches Können aber auch gelegentlich dazu, sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Sie beeinflußten die normalen Menschen mit ihren Künsten und brachten sie so dazu, sich ihren Willen zu beugen. Mythische Beispiele hierfür sind Morgan Le Fay oder Nimue; Mythen, die gleichzeitig den Dualismus der Kelten illustrieren.
Neben den Überlieferungen in den Mythen, gibt es auch solche, die man als relativ gesicherte Tatsachen ansehen kann. Auch sie belegen, daß die Kunst der Prophezeiung im Leben der Kelten eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hatte. So konnte ein Orakel auch gesellschaftlichen und politischen Einfluß nehmen.
Um diese Tätigkeit auszuüben gab es verschiedene Möglichkeiten. So beobachtete der Seher zum Beispiel den Flug der Vögel oder lauschte ihren Rufen. Sie beobachteten die Natur, lasen aus der Entwicklung der Flora und der Sterne. Sie interpretierten Wetterverhältnisse und stellten alles in einen metaphysisch-kausalen Zusammenhang. Auch Opferungen heiliger Tiere und das Singen von zauberkräftigen Versen sollte die Götter zu einer Eingebung bewegen. WIe es scheint sehr selten und nur in besonders wichtigen Angelegenheiten oder in Notfällen, konnte auch ein Mensch geopfert werden, indem man ihn mit einem offenbar aus massivem Silber gefertigten Dolch erstach. Aus der Art wie er starb, wie das Blut floß oder aus der Lage seiner Eingeweide, konnten die Seher angeblich die Zukunft ablesen. Diese Praxis des „Eingeweidenlesens„ wurde auch an Tieren vorgenommen.
Im Zweifelsfall einen neuen König zu bestimmen, war Aufgabe eines Propheten. Das hierbei angewandte Verfahren nannte man „tarbhfhess„, das „Bullenfest„ oder „Bullenschlaf„. Dazu tötete man einen Bullen auf rituelle Weise. Der Prophet aß sich danach an seinem Fleisch satt und trank die Brühe. Dann legte er sich schlafen. Vier Druiden standen um sein Bett herum und sangen Zaubersprüche. Angeblich erschien dem Propheten dann im Traum der nächste König.

Die Druiden waren praktisch unangreifbar und offenbar lediglich dem Wort des obersten Druiden verpflichtet. Die Mitgliedschaft in der Kaste brachte zwar die Befreiung vom aktiven Kriegsdienst, es oblag aber den Druiden, auch in Kriegszeiten den Kriegsherren als Seher, Stratege und Berater zur Seite zu stehen.
Jean Markale bezeichnet sie als die Träger der keltischen Gesellschaft und Kultur.

Das Noviziat

Der Nachwuchs wurde vorwiegend aus den höchsten Rängen der Gesellschaft aufgenommen, aber auch hier bestätigte die Ausnahme die Regel. Das Noviziat dauerte nach Caesar bis zu zwanzig Jahre: „Die Druiden nehmen in der Regel nicht am Krieg teil und zahlen auch nicht wie die Übrigen Steuern. ... Diese großen Vergünstigungen veranlassen viele, sich aus freien Stücken in ihre Lehre einweihen zu lassen, oder ihre Eltern und Verwandte schicken sie zu den Druiden. Wie es heißt, lernen sie dort eine große Zahl von Versen auswendig. Daher bleiben einige 20 Jahre lang im Unterricht.„ (Caesar, VI, 14)
Die Lehrzeit verbrachte der Novize oder die Novizin größtenteils in heiligen Höhlen und wilden Waldheiligtümern in einer Art Eremitage. Die Auszubildenden lernten ihren Lehrstoff in Form von mündlich überlieferten Wissen und Sagengut, das in der Regel in Versform weitergereicht und auswendig gelernt wurde – Beschwörungen, Rätsel, Zaubersprüche, mythische Erzählungen mit einem Hauptakzent auf der keltischen Kosmologie. Dazu kam u.a. die Kräuterkunde und die Heilkunst in praktischer Ausübung vor Ort.
Sie wurden als angehende Druiden dazu ausgebildet, dafür zu sorgen, daß die magischen Rituale richtig ausgeführt und die Zeichen der Natur korrekt gedeutet wurden - daß die Opferungen traditionsgerecht und rituell korrekt durchgeführt wurden. Weiterhin galt als wichtiger Lehrstoff einerseits der Umgang mit den Göttern, daß ihnen eine angemessene Verehrung zuteil wurde und andererseits die Bildungsreisen in die Anderswelt, die den Druiden zugänglicher war als allen anderen Menschen.
Die Welt des Druidentums war in ständiger Bewegung und nahm immer wieder neue Erkenntnisse auf, rektifizierte alte Thesen und verband sie mit neuen Erfahrungen.

Phantasien und Verwirrungen

Das Wesen der Druiden ist ein „Buch mit sieben Siegeln„, meint Geoffrey Ashe
Die Druiden genossen ein ausgesprochen hohes Ansehen. Man hielt sie für Menschen göttlicher Abstammung, denn dem keltischen Glauben nach waren sie Nachkommen der Götter.
G. Ashe:
„Es ist nicht sicher, ob sie dem Götterkult generelll vorstanden, zum Beispiel dem Kult des Bran oder des Belinus, oder ob die die Götter betreffenden Mythen alle im Druidischen Wissensgut zusammengefaßt waren. Vielleicht war es so, vielleicht auch nicht„.
Verschiedene Quellen spekulieren auch dahingend, daß die ersten Druiden, die nach der Verbannung der Danann zurückgebliebenen und mit den Milesiern vermischten Daoine Sidhe gewesen seien. Vieles wurde über sie geschrieben, doch es gibt weniges, was wir mit Sicherheit wissen..
Es gibt verläßliche Indizien, die auf den Schamanismus Asiens als denkbare frühe Quelle hindeuten, so daß man das Druidentum als „westlichen Ableger„ (Geoffrey Ashe) bezeichnen könnte „der ein höheres Maß an Verfeinerung zeigt„.
Gehen wir davon aus, daß mit dem Milesiern, die offenbar unter der Führung eines skythischen Schamenen aus dem östlichen Mittelmeer über Spanien nach Irland kamen, dann darf man spekulieren, ob mit dem legendären Druiden Ameirgen auch der östliche Schamanismus seinen Einzug in Irland hielt.
Der Hauch des druidischen Schamanismus hängt hartnäckig nach und erweitert das weitgefächerte Spektrum an Eigenschaften und Funktionen um ein beträchtliches. Bei den alexandrinischen Griechen galten die Kelten als „ein unverdorbenes weit entfernt lebendes Volk, das noch im goldenen Zeitalter lebe„ (Pigott). Eine „Verwandschaft„ mit den halbmythischen Hyperboräern und der Einfluß eines Pythagoras wurden beschworen. Noch heute klammern sich etliche Neo-Druiden an diese Theorie, andere wiederum folgen der römischen Variante. Papst Klemens argumentierte gegenteilig, daß es die Druiden gewesen seien, die den Pythagoras instruiert hätten. Der Phantasie waren keine Grenzen mehr gesetzt, was besonders in bezug auf den mythischen und bislang noch immer umstrittenen Pythagoras (Sohn der Apollo) angeht: hat er gelebt oder hat er nicht ?
Ganz und gar globalen Charakter erhielten die Druiden Anfang der 19. Jh. bei Edward Davies und seinen Anhängern , die behaupteten, daß das druidische Wissen den Grundstein für die Religionen und die Philosophien der Griechen und Hindus legten. Des weiteren vertraten einige von ihnen die These „daß die Lehren der Bibel und der Druiden identisch seien, wenn man sie nur weit genug zurückverfolge„ .

Wie dem auch sei. Das Pseudowissen um diese mysteriöse Kaste wächst und treibt immer noch neue Blüten, von denen sicher einige im Ansatz nicht ganz zu verwerfen sind, dem Gesamtbild aber im Endeffekt nur eine neue Farbe auftragen, aber keine neue Erkenntnis bringen. Allein schon die „alten Überlieferungen„ der Cäsars und Plinius und anderer Griechen liefern genügend diskutables Material, das heute auch nicht mehr derart „authentisch„ scheint und vielerseits kritischer bewertet wird.
Von Plinius dem Älteren überliefert, ist die Tradition des weißgekleideten Druiden, der mit der goldenen Sichel Mistelzweige auf Eichen schneidet; daneben berichtet Plinius vom Stieropfer, dem der Druide vorstand. Die Mistel wurde von den Druiden als heilige Pflanze geschätzt. Auch wenn als Grund dafür immer wieder ihre Wirkung als magische (Heil)Pflanze angeführt wird, ist dies als alleiniger Grund eher unwahrscheinlich. Zusätzlich mag es wohl auch u.a. die Feststellung gewesen sein, daß die Mistel auch im Winter, wenn alles andere pflanzliche Leben erstorben zu sein scheint, noch grün auf den Bäumen wächst.
Wie vieles im Alltag der Kelten, war auch der Umgang mit der Heilkunst, der Pflanzen- und Kräuterkunde von Ritualen durchdrungen, wobei zwischen magischen und religiösen Ritualen kein Trennungsstrich gezogen wurde.
So heißt es, daß des öfteren eher die Prozedur als der Zweck im Vordergrund gestanden habe, obwohl in Bezug auf die Mistel wohl auch ein sakraler Hintergrund nicht zu leugnen ist, genauso wenig wie ein medizinischer.

Julius Cäsars erwähnte, daß die Druiden Parallelen zu einer Darstellung des Poseidonius (135-51 v. u.Z.) aufweisen würden, der ein hellenistisch idealisiertes Bild der Druiden als Philosophen gemalt hatte. Die Aufzeichnungen des Julius Cäsar und auch der meisten anderen antiken Autoren sind allerdings insofern kritisch zu beurteilen, als diesen die keltische Kultur fremd war und sie das Kelten- und Druidentum logischerweise aus ihrer Weltsicht betrachteten und bewerteten. Zudem wurde laut, daß offenbar Cäsar und die griechischen Chronisten gerne schwadronierten und ihr Eigenes, meist Erfundenes hinzugaben. Andere wiederum meinen, daß alle von einem – fragt sich bloß von wem – abgeschrieben hätten.

Christianisierung und Niedergang

Mit der Eroberung keltischer Länder (Iberien, Gallien, Britannien) durch das römische Reich, schwand der Einfluß der Druiden kontinuierlich. Eine letzte Hochburg auf der nördlich von Wales gelegenen Insel Anglesey (Ynys Môn – Insel Mona) wurde offenbar Mitte des 1. Jh. n.u.Z.. von den Römern zerstört.
Spätere historische Berichte aus dem Irland des frühen Mittelalters sind christlich gefärbt; sie dämonisieren die Druiden als Gegner der Kirche. Nichtsdestotrotz nahm das päpstliche Rom - das von den Briten und Iren allgemein nicht als römische Kirche, sondern als „Mönchskirche„ gesehen und erlebt wurde - die meisten Druiden als konvertierte „fraters„ auf und sicherten sich somit durch die Konvertiten zumindest taktisch ihren Einfluß beim Volk.

Um das tief in den alten Traditionen verankerte Matriarchat und die daraus erwachsene naturmystische Religionen des keltische Heidentums erfolgreich zu korrumpieren, brauchte es den hl. Augustus Aurelius, der in einer Epistula der römischen Kirche folgendes als Taktik unterbreitete:
„Man zerstöre nicht die Tempel, man zerstöre nicht die Götzenbilder, man haue nicht nieder die heiligen Haine. Man mache es besser: Man widme und weihe sie Jesu Christo !„

Wie in Glastonbury und an zahlreichen anderen Kultstätten und religiösen Orten wurde auf Weisung der römischen Bischöfe dort Kirchen, Kapellen und Klöster auf die Fundamente der keltischen Heiligtümer aufgebaut. Keltische Festtage wurden im römischen Jahreskalender verankert und heidnische Bräuche erhielten einen christlichen Anstrich. Man ließ vorgefundene und gewachsene Strukturen bestehen, solange die nicht direkt die Interessen der Kirche störten. Dieser Praxis und dem Aufkommen der höfischen Ritterliteratur besonders in Frankreich fiel auch die Sage um König Artus zum Opfer. (siehe auch:Artus)

Die Druiden in Wales, Piktland und später auch in Irland wurden von der Kirche in die Reihen der Geistlichen aufgenommen, verloren dadurch aber ihren gesellschaftlichen Status und im Laufe der Entwicklung wohl auch einen Teil ihres Charismas. Trotzdem hielt sich das Druidentum in Wales und Irland noch eine gewisse Zeit, wenn auch schon in einer christlich angepaßteren Form, so doch zumindest in alten Bräuchen und auch etlichen Riten und Festtagen.

Ähnliche Christianisierungen von Heiden kennen wir von dem zeitweiligen Ersatzmessias Konstantin, Kaiser von Rom und vormals britannischer König, der es auch fertigbrachte, ohne Blut zu vergießen, ganze heidnischen Völkerstämme und Ethnien an Rom anzuschließen, zum Ruhm der glorreichen Mutter Kirche.

Ob die Druiden vereinzelt und im Geheimen weiter existierten und weiter wirkten, bleibt Spekulation, genau wie die Vermutung, daß die ersten „Hexen„ (meist heilkundige und in sozialen Bereich helfend aktive Frauen, die ab Mitte des ersten Jahrtausends n.u.Z. in Mitteleuropa wirkten und auf römischen Befehl von Burgmauern gestürtzt, in Flüßen ertränkt oder auf Scheiterhaufen verbrannt wurden) Druidinnen oder deren geistige Nachkommen gewesen seien.

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