Apollos Nachlaß

Hyperboräer, Skythen und Schamanen

In den Überlieferungen besonders der Griechen (u.a. Herodot, 4. Buch und bei Strabo) tauchten einige Namengebungen auf, die sich hartnäckig hielten und auch heute immer noch für nicht selten derbe oder abgehobene esoterische Spekulationen gut scheinen. Sie vermitteln freilich auch Denkanstöße zu berechtigten Deutungsversuchen der ethnologischen und spirituellen Beeinflussungen unserer Regionen, dazumal die Siedlungsgebiete der Kelten und Germanen.
Die Rede ist von dem halbmythologischen Volk der Hyperboräer, der Issedonen und der Arimaspen (arimaspoi) sowie den Nomadenreitervölkern, die aus dem Nordosten Asiens kamen – u.a. die Skythen, die Sarmaten und die Dorier. (siehe auch: Ein Volk zieht nach Westen)

Gehen wir davon aus, daß die Skythen aus den Altaibergen oder ihrer direkten Umgebung kommen, also von dort, wo die Hellenen und Griechen die Quelle der (hyper)boräischen Winde, die Gefilde ihres Windgottes Boreas, das Heimatland des Apollo und den Stammort der Hyperboräer vermuteten.

Zu den legendären Hyperboräern liefern die Hellenen und die Skythen selbst uns etliche schöne Legenden, wie u.a. die des Apollo, die des Herakles und die des Zeus.


Apollo und die Hyperboräer

Alljährlich verbrachte der griechische Lieblingsgott Apollo die 3 Wintermonate bei jenem „Volk des Nordens“, das unsterblich war, in beständigem Glück lebte, keine Trauer kannte und in dessen Heimat die Sonne immer schien. Auch Theseus und Perseus waren offenbar gerngesehene Besucher der Hyperboräer.

Apollo selbst – so Herodot und Cicero - stamme von den Hyperboräern ab und sein schamanistischer Einfluß habe den Pythagoras mit den goldenen Oberschenkeln (der auch manchmal als sein Sohn gilt) maßgeblich geprägt. Zudem habe Pythagoras den Freund Apollos, den Schamanen Abaris gekannt, jene sagenhafte Figur, die auf einem goldenen Pfeil (ein Geschenk Apollos) wie eine Hexe fliegen konnte.
Über Abaris finden wir bei Strabo einige belobigende Vermerke:
"...Daher standen auch Anacharis und Abaris ... bei den Hellenen in so großer Achtung, weil sie einen gewissen volkstümlichen Charakter der Gutmütigkeit, EInfachheit und Gerechtigkeit zeigten".

Kehren wir zurück zu Apollo, über den Herodot berichtet:
„Die Leto kam aus dem Hyperboreerland nach Delos und brachte dort die Götter Apollon und Artemis zur Welt“.
Apollo seinerseits soll mit der Themisto, einer Tochter des Hyperboreerkönigs Zabius, einen Sohn namens Telmissus gezeugt haben, der seinem Vater in Karien(Kleinasien) einen Tempel errichtete.
Offenbar blieben die Hyperboreer den Griechen auch später noch freundschaftlich gesonnen, denn ihre Helden Hamadocus und Hyperochus standen den Delphiern gegen die Gallier bei, als diese Kelten gegen Delphi zogen. Dabei seien beide Helden durch eine Methamorphose in schrecklicher Gestalt erschienen.
Dieser Hinweis läßt die Vermutung schamanistischer Traditionen aufkommen, in denen u.a. mittels „Erhitzung“ oder Trance die Metamorphose herbeigeführt werden kann. Diese schamanistischen Spuren findet man auch u.a. in inselkeltischen Sagen, wo neben anderen insbesondere der mythische Sagenheld Cuchullain, der walisische Barde Taliesin und der alte Tuan MacCairill in Sachen Metamorphose als absolute Beispiele dienen können.

Der Schamanismus erweist sich als hartnäckiger Hinweis auf einen maßgeblichen Einfluß jener mysteriösen Nordostvölker auf das keltische Druidentum, wie wir in „Celtica“ noch sehen werden.

Apollo gilt als Lieblingsgott der Griechen. Sein Kult entwickelte sich dort und war auch dort beheimatet. Allein, Apollo in seiner Ur-Person als Gott stammt aus einer anderen Welt. Manchmal wird durch seine Schutzpatronate über die Muse und die Mathematik verdrängt, daß der Apollokult seine schamanistischen Aspekte nie verbarg, die er – sagenhaft verbrämt – durch seine Abstammung von den Hyperboräern als Mentor nach Griechenland brachte: die seherische Entrückung, die schamanistische Praxis der Seelenwanderung oder Astralreise und die schamanistische (magische) Heilung. Diese Künste und Apollos Herkunft rücken die Hyperboräer und die Skythen näher an unsere okzidentalen Kulturen heran, die seinerzeit schon eine gewisse Charakteristika ähnlich der skythisch-hyperboräischen Mystik aufzuweisen hatten – u.a. einen nicht zu verleugnenden Totemkult, der religiöse Respekt vor Feuer und Wasser, die Praxis des Kalenderführung und die in fast allen Kulturen omnipräsente mystische Zahl 3. Berücksichtig man dann noch die im Mythos von Delphi überlieferte Invasion der aus den Norden kommenden Dorier, die „mit Eisen kämpften“ und die Einheimischen unterwarfen, sind wir wieder bei den „mythischen Völkern“ angelangt, jenen Völkern, welche dieselbe Heimat hatten als der Gott Apollo.


Herakles und Echidna

Allein, nicht nur Apollo zeugte in den Altaibergen, sondern auch der griechische Halbgott Herakles, der zudem der mythologische Gründungsvater aller Skythen wurde. Die Sage stammt aus der Überlieferung der pontischen Hellenen und wurde von Herodot aufgeschrieben:

Zu jener Zeit, als Herakles die Rinder des Geryones von der Insel Erytheia wegtrieb, kam er in ein ödes Land. Ein kalter WInd wehte und wuchs zu einem Sturm heran, der des Boreas würdig war. Müde von den Reisestrapazen und gegen die eisige Kälte ankämpfend, zog er seine Löwenhaut über, legte sich nieder und schlief ein. Seine Zugpferde hatte er vom Wagen abgespannt und ließ sie weiden. Als er erwachte, stellte er fest, daß sie verschwunden waren. Er machte sich auf die Suche nach ihnen und gelangte dabei in die bewaldete Landschaft Hyläa, nahe am Borysthenes(Dnjepr).
Dort wohnte in einer Höhle ein mysteriöses Doppelwesen, halb Frau, halb Schlange. (Herodot:...der obere Teil von den Hinterbacken an die Gestalt eines Weibes, der untere Teil die einer Schlange) Sie war eindeutig weiblich und dazu noch jungfräulich. Sie nannte sich Echidna und sagte, sie sei die Tochter des Meeresgottes Phorkys und der Keto (oder, je nach Legendenvariante die Tochter des Tartaros und der Gaía - die Gattin des Typhon). Herakles fragte sie, ob sie wisse, wo seine Pferde geblieben seien. Auf die Frage des Herakles entgegnete sie ihm, sie wisse das wohl. Die Pferde seien bei ihr untergebracht. Er, Herakles, erhielte sie aber erst dann zurück, wenn er mit ihr kopuliert hätte. Echidna war anziehend und so ließ Herakles sich nicht bitten. Echidna aber zögerte die Herausgabe der Pferde immer wieder hinaus, weil sie noch weiterhin mit Herakles zusammen sein wollte. Dann, nach geraumer Zeit erhielt Herakles seine Pferde zurück, mit den Worten: "Diese Pferde nun habe ich dir ... errettet und du hast mir den Errettungslohn entrichtet, denn nun habe ich von dir drei Söhne".
Diese Söhne hießen Agathyrsus, Gelon(i)us und Skythas(Scythes).
Auf Echidnas Frage, was mit seinen Söhnen geschehen solle, bestimmte Herakles, daß der stärkste der drei der Herrscher über das öde Land werden solle. Die anderen Beiden solle sie fortschicken. Er hinterließ Echidna seinen Bogen und seinen Gürtel - an dem oben eine goldene Schale hing - damit sie damit die drei Nachkommen auf die Probe stellen konnte. Von den drei Söhnen gelang es nur Skythas, den heraklischen Bogen zu spannen und den Gürtel nach Art des Herakles umzulegen und so wurde Skythas der Urahn und erste König der Skythen.Die anderen Söhne wurden von ihrer Mutter vertrieben.
Von Skythas sollen die nachkommenden Könige abstammen. Die goldene Schale trug Skythas immer an seinem Gürtel und bestimmte somit die Tradition der Skythen, an ihrem Gürtel eine Schale zu tragen.


Zeus und die Schlangenfrau

Es gibt auch eine skythische Sage mit identischem Inhalt und Aussage, lediglich die beiden Protagonisten wechseln.
In der skythischen Sage verbindet sich Zeus (wie Herakles als Sonnensymbol) mit der "schlangenfüßigen" Tochter des Borysthenes (wie Echidna als Erde/Wassersymbol). Auch die Geschichte der drei Söhne ist fast identisch.

Zeus habe sich mit der Tochter des Borysthenes verbunden und mit ihr einen Sohn namens Targitaus gezeugt. Er sei der erste skythische König gewesen, der seinerseits wiederum drei Söhne zeugte: den Leipoxais, den Arpoxais und den Kolaxais.
Die drei regierten gemeinsam. Während ihrer Regentschaft seien eines Tages vom Himmel herab Werkzeuge aus Gold gefallen: ein Pflug, ein Joch, ein Beil und eine Schale. Der ältere Bruder wollte die Gaben als erster begutachten, doch ein aufflammendes Feuer hielt ihn zurück. Dem mittleren Bruder erging es ebenso und erst dem jüngsten, dem Kolaxais, sollen die Gaben zugänglich gewesen sein. Die älteren Brüder sahen darin einen göttlichen Hinweis, ihrem jüngsten Bruder die Regentschaft allein zu überlassen.
Von diesen drei Brüdern stammen die vier ersten Geschlechter(Stämme) der Skythen ab:
- von Leipoxais die Aucheten
- von Arpoxais die Katiaren und die Traspier
- von Kolaxais die Paralaten, welche die "königlichen Skythen" genannt wurden.
Herodot:
"Sie haben sich selbst Skoloten genannt, die Hellenen aber nannten sie Skythen".
Die goldenen Gaben bewahrten die königlichen Paralaten im Geheimen auf und ließen sie von Greifen bewachen. Alljährlich "nahen sie sich ihnen mit großen Sühneopfern".

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